atmen, sprechen, vortragen, detlef rora
atmen, sprechen, vortragen ... detlef rora

Overhead und Computer – eine Betrachtung


Einen Vortrag oder eine Präsentation zu halten, scheint heute das Einfachste von der Welt zu sein: schnell bringe ich ein paar Gedanken zu Papier, erstelle mit dem Computer eine Reihe von Folien oder Projektionsbildern – und schon kann’s losgehen. Manchmal hat meine Firma zum Präsentationsauftrag die Folien auch gleich mitgeliefert. Wenn ich dann vor den Zuhörern stehe, lese ich einfach ab, was auf der Folie steht; mir fällt dann sicher spontan ein, was ich noch dazu sagen könnte. – Falls mir doch nichts einfällt, lese ich halt einfach laut vor (mit einigen mehr oder weniger notwendigen Ergänzungen).
 
So wird’s gemacht – und was kommt dabei heraus? – Meist nicht viel anderes als eine schier endlose Reihe von Folien, die wortkarg und monoton kommentiert werden. Alle Verhältnisse sind umgekehrt: Nicht mehr der Vortragende steht im Zentrum und bedient sich der technischen Helfer, sondern die sogenannten «Hilfsmittel» haben ihm den Rang abgelaufen und ihn in die Rolle eines sich am Bildrand im Dunkeln bewegenden Hilfs-Erklärers verwiesen. Das Publikum hat die Folien zu konsumieren, eine nach der anderen; im Laufe eines normalen Kongresstages können es schon einmal ein paar hundert werden. Kein Wunder, dass sich allenthalben allmählich eine gewisse «Folien-Müdigkeit» einstellt.
 
Sokrates, der berühmte Redner und Lehrer, hat keinen Overhead verwendet. Er hat Aug' in Auge mit seinen Zuhörern gestanden und als Hilfsmittel vielleicht einen Stock benutzt, mit dem er ein paar Figuren in den Sand malte. So entwickelte er logisch Schritt für Schritt seine Gedankengänge – in ständigem Gesprächskontakt mit dem Publikum.
 
Tatsächlich trägt ein solches allmähliches Ausbreiten der Gedanken sehr zur Verständlichkeit bei – und zur Aufrechterhaltung des Interesses. Die Zuhörer werden auf den Weg zu einem Ziel gebracht, das zunächst noch dunkel bleibt und sich erst im Laufe der Darstellung verdeutlicht. Dieses Vorgehen ist fesselnder als die fertige visuelle Darstellung eines Gedankens, bei der Ausgangspunkt, Weg und Ziel gleichzeitig von der Leinwand abzulesen sind und erst nachträglich durch den Kommentator erklärt und in eine Beziehung zueinander gesetzt werden.
 
Es soll hier nicht gegen die technischen Hilfsmittel polemisiert werden: sie sind nützlich und (beinahe) unentbehrlich, – aber wäre es nicht besser, wenn sie sinnvoll verwendet würden? Der eigentliche Informationsvermittler ist und bleibt der Mensch: er kann unser Interesse wecken, uns überzeugen, ihm können wir anmerken, ob er die Wahrheit spricht, ihm können wir Vertrauen schenken. Papier kann lügen «wie gedruckt»; geduldig nimmt es jede Botschaft auf.
 
Es ist zuzugeben, dass die Anforderungen an einen Vortragenden, der frei vor den Zuhörern steht, zusammenhängend spricht, nicht abliest, was er zu sagen hat, sondern wagt, frei aus dem Augenblick heraus zu formulieren, naturgemäss erheblich höher sind. Ein überzeugender Vortrag kommt nicht ohne Vorbereitung zustande, er kann nicht nebenher, ohne Zeitaufwand, erledigt werden: er muss geplant und geübt werden. Dazu ist es allerdings nötig zu wissen, wie man an eine solche Aufgabe herangeht, worauf es dabei ankommt, welche Ungeschicklichkeiten und Fehler sich einschleichen können. Oft ist es sinnvoll, den Beistand eines Fachmannes in Anspruch zu nehmen – in Form eines Seminars oder einer Einzelberatung. Das Ergebnis lohnt den Aufwand: Ein mitreissend gestalteter Vortrag vermag auch heute noch zu überwältigen; er bringt dem Redner Erfolg und ruft bei seinen Zuhörern Enthusiasmus und Wohlgefühl hervor.

Pfeil zurueck home  |  drucken